Ein freier Sonntag auf Spiekeroog, die zweite Woche

•16. November 2009 • Kommentar schreiben

Moin ihr lieben,

nun sind zwei Wochen Spiekeroog und Zivi-Zeit um. Die Woche ging erstaunlicherweise sehr schnell um. Ich habe vieles neues gelernt und bin die technischen Abläufe durchgegangen, die regelmäßig anfallen. Von Tag zu Tag fällt es leichter, in der Thematik zu arbeiten, doch ganz beurteilen kann ich es noch nicht. Ich bin ja erst zwei Wochen hier und natürlich denkt man auch an seine gewohnte Umgebung zurück.

IMG_7419

Leider war unter der Woche das Wetter sehr schlecht, außerdem mit Kleinigkeiten voll, sodass ich nicht dazu kam, Fotos von der Ausstellung zu machen und von meiner Arbeit im Umweltzentrum zu berichten, das kommt dann demnächst.

IMG_4848

Den gestrigen, freien Sonntag nahm ich zum Anlass, bestimmte Sehenswürdigkeiten Spiekeroogs genauer zu betrachten.

IMG_7413

Der Drinkeldodenkarkhof: Friedhof der Heimatlosen …

IMG_7411

Am 06. November 1854 war das Auswandererschiff „Johanne“ mit 229 Passagieren und Besatzung an Bord vor der ostfriesischen Küste unterwegs in Richtung Westen der Erde. Voller Hoffnung und Erwartungen wollten diese Menschen ein neues Leben anfangen und ihr Glück versuchen. Doch dazu kam es nicht, denn das Schiff strandete vor Spiekeroog in einem schweren Sturm. Durch die Insulaner konnten viele gerettet werden, doch einige, mehr als 80 Menschen, darunter Frauen, Kinder, Säuglinge, ließen ihr Leben.

IMG_7414

Ein damaliger Pastor bestattete die unbekannten Toten in einem Dünental außerhalb der Ortschaft. Auch weitere Schiffbrüchige in den Folgejahren wurden hier beigesetzt. Dieser „Drinkeldodenkarkhof“, banannt nach dem besagten Pastor Doden, erinnert nun heute an die damaligen Verstorbenen.

IMG_7412

Auch die Gemeinde Kaufungen bei Kassel verlor Auswanderer und erinnert mit einem Gedenkstein.

Der Anlass von mehreren Strandungen vor den ostfriesischen Inseln ließ den Wunsch und die Forderung nach einer organisierten Seenotrettung aufkommen. So sollten an den Küsten bzw. auf den Inseln Rettungsstationen errichtet werden.

So wurden 1861, ein Jahr nach der Strandung eines weiteren Schiffes vor dem Borkum-Riff, erste Rettungsstationen gegründet. Die letztendlich heute noch bestehende Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, eine damalige Zusammenkunft mehrerer kleiner Rettngsstationen, wurde dann 1865 in Kiel gegründet. Die Flotte, verbunden mit immer höher werdenden Ansprüchen in der Seenotrettung, soll zu den modernsten der Welt gehören.

IMG_7415

Gar nicht so weit entfernt vom Drinkeldodenkarkhof befindet sich die Neue Inselkirche Spiekeroog. 1961 eingeweiht, passt sie sich stilistisch dem einheitlichen Bild der Gebäude auf Spiekeroog an: Backstein. Eine Besonderheit hat die Orgel der Firma Janke aus Bovenden bei Göttingen: Spanische Trompeten. Geschichtlich kann man nicht viel herausfinden, denn die Alte Inselkirche ist m.E. interessanter, doch dazu später mehr.

IMG_7417

IMG_7416

Als letztes stelle ich mein Fahrrad ab und laufe an den Strand und genieße einfach den Ausblick.

IMG_7431

IMG_7432

IMG_7427

IMG_7441

Vorbei komme ich noch an „De Utkieker“. Einer Figur vom Kölner Künstler Hannes Helmke, gewidnet dem „unermüdlichen Wächter des Kleinod Spiekeroog“. Etwa 3,50 m hoch, steht die Bronzefigur auf einer Aussichtsdüne in der Nähe vom Strand und blickt auf die Weiten der Dünen.

IMG_7459

IMG_7458

Ein freier Sonntag auf Spiekeroog …

•8. November 2009 • 2 Kommentare

Moin ihr lieben,

nach nun einiger Zeit auf der Insel schreibe ich mal wieder.

IMG_7351

Man kann nicht sagen, dass ich mich schon vollständig eingelebt habe, aber von Tag zu Tag wird es besser. Die Arbeiten sind vielseitig. So habe ich die Technik des Aquariums zu betreuen, Fische zu füttern, bei geöffnetem Museum Fragen zu beantworten und letztendlich später dann selber Führungen anzubieten; Umweltbildung und Hausmeisterei also.

Der November wird noch etwas voll sein mit allerlei Kleinigkeiten, die zu tun sind, aber dann ist erstmal Entspannung angesagt.

Die Menschen sind durchweg alle nett, ein paar Kontakte konnte man bereits knüpfen. Aber die Hauptsache, die man hier oben hat ist: Ruhe, einfach nur Ruhe! Man kann sich überall hin verkriechen, an den Strand, nach Hause, oder zum Bierchen trinken in den „Blanken Hans“. Es gibt vieles zu Sehen auf der Insel, nur bin ich noch gar nicht dazu gekommen, daher nun ein paar Bilder von dessen, was ich bereits gesehen habe:

IMG_7346

Den Sonntag nehme ich zum Anlass,  mich auf das Fahrrad zu schwingen und auf der Insel herumzufahren. Es geht quer durch das Dorf …

IMG_7363


IMG_7366

IMG_7364

IMG_7382

… vorbei an Dünen …

IMG_7369

IMG_7368

… Deichen und Salzwiesen …

IMG_7387

IMG_7388

in Richtung Westen der Insel:

IMG_7384

IMG_7393

… an den Endpunkt der Museumspferdebahn …

IMG_7373

… um dann endlich noch einen Abstecher zum Strand zu machen …

IMG_7380


IMG_7377

IMG_7375

IMG_7378

… eigentlich ungewöhnlich für die ostfriesischen Inseln, dass es Wälder gibt … Bäume wurden früher zur Eindämmung von Flugsand angepflanzt, also sind die Arten nicht von hier …

IMG_7400

IMG_7397

Dies war ein kleiner Wochenendausflug über die Insel … genaueres über die Entstehung und Geschichte Spiekeroogs, sowie meine Arbeit und das Umweltzentrum Wittbülten folgen bald.


IMG_7403

Zivi Lehrgang auf Hallig Hooge

•26. Oktober 2009 • 3 Kommentare

Moin Ihr lieben, nun ist es soweit, es geht los: Der Zividienst Lehrgang auf der Hallig Hooge. Ich komme auf der Hallig Hooge an, südlich von Föhr, gleich neben Pellworm und Langeness. Auf der Zugfahrt hin begleitet mich eine Mischung aus Fernweh, Ungewissheit und Drang zu etwas Neuem. Werde ich auch die anderen Zivis finden? Werden wir uns verstehen? Nach einer 2 stündigen Zugfahrt komme ich in Bredstedt, in der Nähe von Husum, Schleswig Holstein, an. Dort treffe ich schon den ersten Zivi. Wunderbar, man versteht sich.

Blick vom Anleger in Schlüttsiel IMG_6961 Nach gemeinsamen Warten auf den Bus, worin sich weitere Zivis befinden, geht es weiter bis nach Schlüttsiel. Dort angekommen finden wir uns nun alle zusammen und ab geht es auf die Fähre Richtung Hooge. IMG_7000 Traumhaftes Wetter. Blauer Himmel, aber kalt. Man sieht in der Ferne die weiteren Halligen und Inseln. Und es fällt auf: Frische Seeluft. IMG_6997 Für Verpflegung ist gesorgt. vollwertiges, biologisches Essen wird umgeladen. Nun geht es vom Anleger zur Hanswarft. Eine Warft ist ein künstlich aufgeschütteter Hügel, sodass die Häuser vor einer Sturmflut zu bewahren. Denn dann heißt es „Land unter“. Die Halligen bestehen nur aus solchen Warften und dem Vorland, welches bei einer Surmflut vollständig unter Wasser gerät. Es herrschen Wasserstände bis zu anderthalb Meter über Normal und mehr. Die Betten sind verteilt, der Abend verläuft entspannt bei gemeinsamen Kennenlernspiel und Kartenspielen.

Tag 1 (Niedrigwasser 8:35 Uhr, Hochwasser 14:10 Uhr): Der nächste Tag beginnt mit einem Frühstück, wonach eine Warftführung und Halligexkursion folgt. Man lernt über die früheren Lebensweisen auf einer Hallig und dem ständigen Kampf, zu überleben. Wie man Süßwasser gewonnen hat (Sammeln von Regenwasser), und welche Maßnahmen man ergriffen hat, eine Warft noch besser vor einer Sturmflut zu schützen. In der Mitte einer Warft befindet sich meist ein sogenannter Feting, ein kleiner Teich als Sammelbecken von Süßwasser für das Vieh. Wurde dieser mal von einer Sturmflut bei „Warft unter“ überspült, musste das Wasser abgelassen werden, da es unbrauchbar wurde. Anderweitig wurde und wird noch heute das Sammelbecken für Löschwasser benutzt. Verschiedene Präsentationsthemen werden vergeben, ich widme mich den Walen zu, speziell: Walfang. Das Thema wird nun in den nächsten Tagen bearbeitet.

Tag 2 (NW 9:15 Uhr, HW 14:55 Uhr): Der nächste Tag beginnt mit einer Wattexkursion. Mit Eimer, Kescher ausgerüstet geht es bei Niedrigwasser raus auf das Watt. Verschiedenste Tiere, ob Wattwurm, Strandkrabbe, Felsenkrabbe, Taschenkrebse, Schlangensterne, Garnelen, aber auch Pflanzen wie verschiedenste Algenarten werden gesammelt und gefangen. IMG_7029

IMG_7031 Im Labor werden die einzelnen Tiere analysiert, Aufgaben bearbeitet, Unterschiede erkannt und festgestellt. Man lernt also sehr viel über die Lebewesen hier im Wattenmeer. Fotos zu den Tieren sind ergänzend zum Blog auf flickr zu finden. IMG_7070 Abends lernen wir noch vieles über das Leben im Watt, außerdem werden zwei interessante, empfehlenswerte Filme geschaut: „Karierre eines Austernfischers“ und „Nomaden der Lüfte“.

Tag 3 (NW: 10:00 Uhr, HW: 15:35 Uhr): Gruppenarbeiten am AG-Thema. Besuch des Heimatmuseums „Königspesel“. IMG_7076

IMG_7080 Der Königspesel aus dem 18. Jahrhundert ist das älteste Privatmuseum Schleswig-Holsteins. In diesem historischen Kapitänshaus von Tade Hans Bandiks wird dem Besucher anhand unzähliger Kunstgegenstände, die seinerzeit schon Altertumswert hatten, ein Eindruck aus der Seefahrerzeit vermittelt. Der „Pesel“ ist der eindrucksvollste Raum, ausgestattet mit einer bemerkenswerten Decken- und Türmalerei, sowie mit holländischen biblischen Fliesen. Als König Friedrich VI. auf seiner Besichtigungsfahrt im Jahre 1825 von einer Sturmflut überrascht wurde, suchte er sich diesen Raum zur Übernachtung aus – daher der Name „Königspesel“. Nach der Brandkatastrophe im Jahre 1995 wurde der Königspesel originalgetreu renoviert. Weiter wurden die anderen Räumlichkeiten (z. B. die alte Küche und die Kellerkammer) für die Besucher frei gegeben. Workshop zu Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE):

  • Nachhaltige Entwicklung:
    • Effektiv, anhaltend, langfristig, stet, ressourcenschonend,
    • Ökologische Landwirtschaft
    • Nutzung, Förderung von erneuerbaren Energien
    • Dreieck: ökologisch, ökonomisch, sozial
    • Entfaltung einer vorrausschauenden, steten und ressourcenschonenden Lebensweise, die sich durch Berücksichtigung sozialer, ökonomischer und ökologischer Aspekte auszeichnet.
    • Gestaltungskompetenz:
      • Fähigkeit Probleme zu erkennen und zu lösen, um Zukunft und Leben nachhaltig zu gestalten, Lösungsansätze aufzuzeigen und individuell umzusetzen.
      • Krabbenfischerei:
        • Einbringung in WattEx:
        • Transportwege von Fang bspw. Nordsee zum Pulen nach Marokko (Kostengünstiger für Konzern, im Ausland die Krabbe weiterzuverarbeiten)
        • Krabbenpulermensch (kommt in Abhängigkeit des Großkonzerns)
        • Konservierungsstoffe (Chemie, Belastung der Gesundheit)
        • Verpackung
        • CO2-Bilanz (Belastung des Klimas)
        • Dadurch ist das Dreieck für nachhaltige Entwicklung beachtet: Soziales, Ökologie, Ökonomie
  • Methodenvielfalt:
    • Unterschiedliche und zahlreiche Herangehensweisen, um sich einem spezifischen Thema zu nähern.
    • Anwendungsbeispiele: Fotos zeigen, Gruppenarbeiten, Einbindung des Publikums/Besucher, Erfahrungsaustausch, Vortrag, Interaktivität, mit allen Sinnen erfahren, Spiele,
  • Handlungsanreize:
    • emotional (persönliche Betroffenheit und Identifikation)
    • rational (konkrete Zahlen usw.)
    • „Schont nicht nur Umwelt, sondern auch den Geldbeutel“
    • Rationale und/oder emotionale Impulse, die zu einer Veränderung des individuellen Verhaltens führen und Wege zur Umsetzung aufzeigen.
  • Beispiel: Gentechnikratgeber, Entscheidungshilfe für bewussten Kauf von gentechnikfreien Produkten mit Hintergrund, dass Gentechnik schädlich für die eigene Gesundheit und die Umwelt sein kann (wenig Langzeitforschung).

Tag 4 (NW: 10:35 Uhr, HW: 16:10 Uhr): Nach Zeit für die Präsentationen gehen wir am Nachmittag auf Vogelexkursion. Wir setzen uns auf den Deich und beobachten verschiedene Vogelarten wie AusternfischerKnutt und Alpenstrandläufer. Außerdem Vogelzählübung. Erfahrungsaustausch zum Betrieb eines Infozentrums. Wichige Infos, die beachtet werden müssen, um ein qualitativ hochwertiges Infozentrum zu betreiben. Abends hören wir uns noch einen Vortrag über Wasservögel und ihren kilometerweiten Zügen zu Brut und Rastplätzen an. Außerdem ein Quiz … welcher Vogel ist das?

Tag 5 (NW: 11:05 Uhr, HW: 16:45 Uhr): 8 Uhr, es geht früh los nach Norderoog, einer kleinen Hallig vor Hooge.

IMG_7115

IMG_7142

Mit einem Kollegen laufe ich quer durch das Watt, um einem Zivi, der die letzten Tage auf der Vogelwarte der unbewohnten Hallig verbringt, zu helfen. Die Hallig muss winterfertig gemacht werden, also: Tische abbauen, Toilette abbauen, Kleinteile sichern und unter den Hütten, den Vogelwarten, verstauen und außerdem muss ein Boot hineingeholt werden.

IMG_7133

Es ist einsam hier, man muss es wollen, hier ein paar Monate zu verbringen.  Man kann gut hinter der Hallig in der Ferne die offene Nordsee erkennen, außerdem den Vögeln, vor allem Brandseeschwalben dient die Hallig als Brutplatz. Nachdem soweit die Arbeiten erledigt sind, geht es wieder zurück durch das Watt, denn es kommt Hochwasser.

IMG_7112

IMG_7105

Nachmittags wieder auf Hooge, tauschen wir unsere Erfahrungen in Biotoppflege. Abends geht es auf eine nächtliche Exkursion. Was hören wir? Was sehen wir? Interessante Beobachtungen, wie unsere Sinne im Dunkeln reagiert und was wir wahrnehmen. Wir setzen uns auf den Deich und hören den Vögeln zu.

Tag 6 (NW: 11:40 Uhr, HW: 17:20 Uhr): Morgens hören wir einen sehr interessanten Vortrag von einen unserer Zivis zum Thema „Neobiota„. Außerdem hörten wir einen Vortrag über die Seehunde in der Nordsee und deren Schutz. Nachmittags gehen wir auf Seetierfangfahrt.

IMG_7170

IMG_7217

IMG_7180

IMG_7192

Abends hören wir einen Vortrag zur Offshore-Windkraft.

Tag 7 (NW: 12:15 Uhr, HW: 17:55 Uhr): Wattexkursion zum Japsand westlich von Hooge.

IMG_7261

IMG_7258

Nach einem etwas einstündigen Marsch über das Watt kommen wir auf dem Japsand an. Wir befinden uns im Vogelschutzgebiet, hier haben sie die Möglichkeit, einen Brutplatz zu finden. In der Ferne hören wir Gänse.  Auf dem Sand finden wir verschiedenste Muschelarten, Tierkadaver … der Boden ist übersäht mit Muscheln … ein tolles Bild. Wir spielen das Nebelspiel: Es gibt eine orangene Markierung auf dem Japsand, im Nebel kann man sich kaum orientieren, lebensgefährlich!

IMG_7266

IMG_7288

IMG_7270

IMG_7278

Wir schließen die Augen, und laufen 100 Schritte in Richtung der Markierung. Nach 100 Schritten stellen viele fest: Man ist sehr vom Kurs abgekommen.  Außerdem machen wirMuschelbestimmung.


IMG_7287

IMG_7295

IMG_7291

Abends hören wir noch einen interessanten Fischreivortrag bezüglich Meeresbelastung durch Überfischung, welche Arten sind noch vorhanden, welche bedroht und was kann man dagegen tun.

IMG_7250

Tag 8 (NW: 11:50 Uhr, HW: 17:35 Uhr):

Vorträge von Zivis zu Großwale, Umweltethik und eine Blümchenrallye. Wir ziehen los und sammeln die verschiedensten Arten aus Watt, Düne und Deich. Hallig Koller … wir toben uns am Deich aus und machen Bodycatching. Wir schmeißen uns in die Gräben, zwischen Priel und Watt. Beschmeißen uns mit Algen und Tang.

 

Tag 9 (NW: 12:35 Uhr, HW: 18:25 Uhr):

Vorträge von Zivis.

IMG_7325

Abends machen wir Muschelbestimmung … welche Muschel ist das.

Letzter Tag:

Aufbruchstimmung. Hausputz ist angesagt. Die ersten (aus Ostfriesland) verlassen mit der ersten Fähre die Hallig. Alle Sachen sind gepackt. Wir fahren mit der Nachmittagsfähre von Hooge ab.

Die Zeit verging wie im Flug … jeder verarbeitet für sich das Erlebte. Es war eine schöne Zeit.

IMG_7331

Kinetische Kunst: „Stillstand gibt es nicht“

•31. August 2009 • 1 Kommentar

Wenn man in Basel am rechten Rheinufer entlangschlendert, trifft man im sogennanten Solitude-Park auf ein modernes, etwas ungewöhnliches Gebäude. Das Museum-Tinguely. Das Museum, bestehend aus einer weitgestreckten „Promenade“ zur Südseite hin und einer hohen Fassade zur Ostseite hin, ganz in einem modernen, fast zeitlosen Stil vom Tessiner Archtekten Mario Botta erbaut. Als Material wurde Backstein verwendet, ein schlichtes und geometrisch geordnetes Material, dementsprechend auch das Gebäude. Nachdem man unter Betrachtung des Rheinufers in den Eingangsbereich des Museums kommt, fallen gleich merkwürdige, sich bewegende Figuren auf. Sich bewegende Springbrunnen, mühlenartige Fontänen … Es ist klar, worum er hier geht: Kunst, kinetische Kunst.

IMG_6616

Diese sind vom schweizer Künstler und bedeutenden Vertreter der kinetischen Kunst und der Moderne, Jean Tinguely. Tinguely’s Kunstwerke sind motorenbetriebene, ulkige Skulpturen aus allerlei Materialresten und Schrott, wie Blechen, alten Motoren, verschiedenen Bauteilen vom Schrottplatz. Kunst, die sich bewegt.

IMG_6621

Vom Eingangsbereich am Shop vorbei wird der Blick in eine große Halle gelenkt, wo gewaltige Skulpturen, majestätisch, aber auch bedrohlich wirkend, vom Betrachter aufgefasst werden. Für mich wirken die Figuren witzig, ulkig, vor allem durch die Bewegungen lebendig, aber auch melancholisch und nachdenklig, denn man findet auch Tierköpfe und verbrannte Reste von Häuserteilen wieder.

IMG_6732

Im Rundgang begegne ich kleinen und großen Figuren, schlichte, aber auch komplexe Gebilde.

IMG_6706

Mir fällt eine Zeichenmaschine auf, ein komliziertes Gerät, aus alten Fahrradreifen, Schnüren und Töpfen … an einem langen Arm ist ein Stück Kreide befestigt, welches dann auf ein Stück papier gedrückt wird. Lustige Formen entstehen …

IMG_6682

Alle Kunstwerke kann man mit einem roten Fuß-Button in Bewegung setzen, die Bewegung wirkt bedrohlich, wackelig. Bei jedem Drücken ist man gespannt, wie sich die Figur wohl verhalten mag.

IMG_6675

Man findet zu den meisten Kunstwerken eine kurze Stellungnahme des Künstlers. So kann man nachvollziehen, was den Künstler dazu bewegt hat und was in ihm vorgagangen ist, so eine Figur zu bauen.

IMG_6693

IMG_6664

IMG_6656

IMG_6645

Eine Figur fällt mir auf: Ein Gebilde aus Masken, Perücken und Hüten … kitschig, aber auch ein wenig angst einflößend …

IMG_6634

Nach einem Rundgang durch kleinere Ausstellungsräume komme ich in eine große Halle, wo eines der berühmtesten Werke steht: Der Illuminator. Ein Werk bestehend aus Reifen, Bierkasten, vielen bunten Glühlampen und Metallschrott … IMG_6624

IMG_6621

Das Museum beeindruckt mich, ein Besuch ist auf jeden Fall lohnendswert. Egal ob als Kunstbegeisterter, Technik-Fan oder als Durchreisender. Wer in Basel ist, sollte einen Besuch wagen!

Die Werke von Jean Tinguely regen zum Nachdenken an … über Kunst, über sich selber, aber vor allem über den Künstler selbst …

alles ist in Bewegung, diese Bewegungen sind unerwartet … Stillstand gibt es nicht!

IMG_6641

Mehr Infos unter: www.tinguely.ch

Mittlerweile zwei Wochen im Orgelbau, meine Arbeit als Sekretär … ein typischer Arbeitstag

•14. August 2009 • 1 Kommentar

Es ist 6:57 Uhr morgens, das Wetter ist eklig, es windet und die Straßen sind nass …

Müde trotte ich aus dem Haus in Richtung Büro … mein Kater maunzt und wünscht mir einen guten Morgen …

18082009(001)

6:59 Uhr, Ankunft Werner Bosch, Orgelbau GmbH, ein frischer Kaffee muss her, also auf zur Kaffeemaschine, Pulver hinein, Wasser hinein und Starttaste drücken …

7:01 Uhr, ein freundliches „Guten Morgen“ der Kollegen, schon der erste Auftrag: „Such mir mal die und die Akte heraus“ …

18082009

7:02 Uhr, unser iMac und das Notebook werden synchron hochgefahren.

7:03 Uhr, die eMails werden gecheckt, wichtiges wird ausgedruckt

7:05 Uhr, der Kaffee ist fertig, ab in die „Auch der Boss braucht seinen Kaffee“-Kaffeetasse und zurück an den Rechner, ich jongliere zwischen iMac und Notebook, zwischen Telefon und Aktenrondell

7:15 Uhr, ich mache ich an die sogenannten Dispositionen, also die Zusammenstellungen der einzelnen Orgelregister. Dazu gehe ich die Arbeitskarten durch und tippe alle Dispositionen der Orgeln, die wir in Pflege haben, ab. Dank Notebook kein Problem … diese Arbeiten begleiten mich den ganzen Tag und die ganze Woche über, mittlerweile sind an die 170 Dispositionen abgetippt.

8:00 Uhr, Skype, unsere eigentliche Sekretärin hat Urlaub, steht aber über Chat bei Fragen zur Verfügung,  zum GLÜCK, sehr praktisch, wenn mal eine Akte nicht aufzufinden ist, oder etwas im Rechner gesucht wird …

8:30 Uhr, Bilder von einer Besichtigung  werden via Rechner ausgedruckt und an den entsprechenden Vorgang geheftet.

9:00 Uhr, auf zur Post und zur Bank, Kontoauszüge und Briefe holen …

9:15 Uhr, ein Brötchen wird hineingeschoben

9:20 Uhr, wieder am Rechner, Chef  ruft an, mein Vater: „das und das muss erledigt werden, kannst du mal eine Einladung für die Innung schreiben, kannst Du mal in der Akte nachgucken, das müsste doch eigentlich da liegen, kann mich mal der Manni zurückrufen“ …

10:00 Uhr, das berühmte „Pling“ vom Apple-Mailprogramm: Die Bearbeitung unserer Internetseiten geht endlich wieder, ich kann also beginnen, daran zu arbeiten, Fotos von Instrumenten (Klaviere aus dem Pianohaus) und deren Beschreibungen ins Internet zu setzen

10:30 Gespräch mit meinem Cousin

10:55 Uhr, ich brauche etwas frisches wie Salat zwischen die Kiemen, ich gehe rüber und baue mir Gemüse zusammen,

11:15 Uhr, Anfragen, Arbeitskarten den Akten zuordnen, Rechnungen kontrollieren und eintüten, sowie im Portobuch vermerken … Mail an eine Spedition schicken, Anfrage über Kosten eines Transportes nach Japan …

11:45 Uhr, ich sitze wieder an ein paar Dispositionen … das Büro versinkt mittlerweile in Papier und Aktenbergen … die müssen noch abgearbeitet werden

18082009(004)

12:30 Uhr, Mittag, Verschnaufpause, es gibt leckeren Seelachs bei meiner Tante

13:00 Uhr, weiter im Programm, Abtippen eines Angebotes, den unser Manni vorbereitet hat, dazu ein Begleitschreiben, und Eintüten in einen Umschlag … meine Tante ist auch da, bearbeitet Rechnungen und Überweisungen

13:30 Uhr, Erstellen einer Tabelle Stimmtouren, Kostenübersicht und Papier sortieren

14:00 Uhr, Drucker sagt: Papier nachlegen, auf zum Regal, nein, Papier alle, hoch ins Mittelbüro gerannt, neue Packung geholt

14:05 Uhr, Gespräch mit meinem Cousin, eine Tabelle muss erstellt werden, zack, er hat diese auch auf seinem Rechner dank internem Chat

15:00 Uhr, nächste Woche geht’s in die Schweiz, dazu muss noch einiges erledigt werden, Sachen müssen gepackt werden, Einfuhrbescheinigungen zurechtgelegt usw …

15:15 Uhr, „Pling“ vom Apple-Mailprogramm: Eine Rechnung kommt rein, außerdem Anfragen über Orgeln

15:30 Uhr, der Kaffee in der Tasse ist schon lange kalt, Augen zu und ein großer Schluck

15:31 Uhr, keiner außer mir im Büro, das Telefon klingelt, verschiedene Menschen, ich leite weiter oder notiere mir die Angelegenheiten

15:45 Uhr, gleich Feierabend, für das Wochenende nehme ich mir Dispositionen zum Abtippen mit, außerdem kann ich ja die Internetseiten bearbeiten

15:50 Uhr, ein Fax kommt rein, etwas wichtiges, Abheften im Vorgang

16:00 Uhr Feierabend, ich bin kaputt.

Die Arbeit ist zwar stressig, macht aber Spaß, organisieren, regeln, das ist mein Ding …

nächste Woche ein Auftrag in der Schweiz, Orgel stimmen und Arbeiten daran ausführen …

Mehr Infos unter: www.bosch-orgelbau.com und www.pianohaus-bosch.de

Next: Orgelbau, Werkstattrundgang im Hause Bosch