Die Aussetzung der Wehrpflicht … ein kurzsichtiges Dilemma?
Ich verhalte mich gegenüber der Aussetzung der Wehrpflicht sehr skeptisch. Es geht mir eigentlich gar nicht um die Bundeswehr und den damit verbundenen Grundwehrdienst. Vielmehr geht es mir um den Zivildienst im Naturschutz- und Sozialbereich.
Zivildienstleistende sind nun mal günstige Arbeitskräfte. Fallen diese weg, muss eine sehr große Anzahl der Arbeiten (sei es Organisatorisches, Kleinkram, Transportdienste, Zählungen von Vögel, Instandhaltungsarbeiten, Besucherbetreuung, Pflege und Unterhaltung von Alten) von Halbzeit- oder Vollzeitkräften erledigt werden, was den Verbänden und Einrichtungen sehr hohe Kosten verursacht und finanziell auch gar nicht tragbar sind. Diese Arbeiten müssen aber erledigt werden, damit der laufende Betrieb aufrecht erhalten bleiben kann. Also wird der laufende Betrieb durch den Wegfall von den Zivildienstleistenden ins stocken geraten bzw. die Kleinigkeiten die zutun sind, einfach liegenbleiben, was langfristig nur Schaden anrichten kann.
Auf die Aussage, dass Zivis nur Kleinigkeiten im Sinne von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu erledigen haben antworte ich: Wenn man ein wenig sucht und sich erkundigt, was es für Stellen gibt, dann findet man eine Vielzahl von sehr tollen, anspruchsvollen Dienststellen. Im Sozial- und im Naturschutzbereich werden Arbeiten liegenbleiben, die unbedingt erledigt werden müssen.
Ich selber habe auf Spiekeroog im Bereich des Naturschutzes einen sehr interessanten, prägenden Zivildienst geleistet. Abwechslungsreich und anspruchsvoll – zur eigenen Persönlichkeitsfindung wirklich eine tolle Sache. Er hat mir sehr viel Spaß gemacht. Nein, ich habe nicht Vögel gezählt, ich war viel näher am Menschen und war im Bereich der Umweltbildung tätig. Und da tut man etwas für die Gesellschaft.
Die jetzigen Planungen sind, hoffentlich noch nicht, langfristig gedacht. Es muss doch klar sein, welche Auswirklungen die Aussetzung der Wehrpflicht hat? Wenn diese nicht klar sind, dann kommt es zu einem Kollaps.
Wie steht die Aussetzung der Wehrpflicht gegenüber G8 und dem damit verbunden verkürzten Abitur? Ein doppelter Jahrgang an Schulabsolventen muss einen Studien- bzw. Ausbildungsplatz erhalten. Bei der heutigen Situation den Unis, völlig überrannt und überbelegt, kaum vorstellbar. Wie wollen die Unis den großen Andrang der Schulabsolventen auf der Suche nach einem Studienplatz, kompensieren?
Und die weiteren Planungen nach dem Abitur sind für die meisten Schulabsolventen noch gar nicht klar und absehbar. Da könnte man sich noch prima nach dem Abitur eine gewisse Zeit an „Auszeit“ nehmen und den Zivildienst leisten. Zugespitzt formuliert: Alle. Egal ob männlich oder weiblich. Ein Zivildienst zu leisten, sich eine gute, vielversprechende Dienststelle zu suchen, führt dazu, etwas für sich, im Sinne von Persönlichkeitsentwicklung und vor Allem für die Gesellschaft, zutun.
Fazit: Wenn die Wehrpflicht schon ausgesetzt wird (eine wirklich historische Entscheidung), dann muss eine vernünftige Alternative her. Der Freiwilligendienst muss gefördert und attraktiv gemacht werden. Dies führt zu Persönlichkeitsentwicklung und damit Integration junger Menschen in die Gesellschaft. Es ist bedauerlich, dass offensichtlich die langfristigen Folgen von unserem guten Herrn von und zu Guttenberg nicht gesehen werden oder gesehen werden wollen. Vor allem die CDU, als konservative Partei und Verfechter der Wehrpflicht, sollte sich mit dieser Kehrtwende auseinandersetzen und fragen: Was wollen wir eigentlich? Unser Verteidigungsminister hat bis vor Kurzem noch gesagt, dass eine Aussetzung bzw. Abschaffung der Wehrpflicht mit ihm nicht machbar sei. Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit unserer heutigen Politiker?



